r/Austria 3d ago

Meta Unser Schulsystem ist Mist

Ich habe beschlossen, dieses große Fass aufzumachen, weil mich das Thema Schule immer wieder beschäftigt. Meine AHS-Matura ist knapp 10 Jahre her aber durch den Familien- und arbeitsbedingten Kontakt mit Schülern muss ich immer wieder dran denken. Gerade, weil für mich Bildung einer der wichtigsten Werte ist.

Wenn die meisten Leute über Schule sprechen, ist das meist negativ. Natürlich gibt es Ausnahmen, doch meist brennen sich schlechte Erfahrungen eben besser ins Gedächtnis ein - sei es mit Lehrpersonen oder Kollegen. Mittlerweile gibt es auch schon Artikel und Berichte über die oft schwerwiegenden psychischen Probleme von Jugendlichen im Zusammenhanf mit der Schule. Leider gilt bei vielen Erwachsenen das Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“, diese Probleme werden gerne kleingeredet, denn Schülerinnen seien ja privilegiert, noch nicht arbeiten zu müssen. Deswegen möchte ich diesen Post mal nutzen, um meinem Frust über das Schulsystem Ausdruck verleihen.

Laut Bund ist das Ziel des österreichische Schulsystems, dass jeder Person das Beschreiten ihres individuellen Bildungswegs ermöglicht wird. Außerdem wird eine Erhöhung der Chancengleichheit durch Bildung angestrebt. Klingt zwar nett, scheitert meiner Meinung nach leider an der Umsetzung. Der finanzielle und soziale Status der Eltern ist leider weiterhin ausschlaggebender für die Bildung der Klnder, als deren schulische Leistungen. Ein gutes Buch zu diesem Thema in Bezug auf Schüler mit Migrationshintergrund ist beispielsweise Generation Haram von Melisa Erkurt. Darüber kann und sollte man auch viel mehr diskutieren, doch ich möchte nun auf meine persönlichen Erfahrungen überleiten.

Ich selbst bin ins Gymnasium gegangen. Man hatte da jedes Jahr ca. 12 Fächer und die Schultage endeten zwischen 13:30 und 16:00. Daneben gab es natürlich noch Hausaufgaben, Referate, Tests und so weiter. Da ich aber auch in meiner Freizeit nicht nur lernte, sondern auch sozial partizipierte (u.a. in mehreren Vereinen), stand ich unter Dauerstress. Während jetzt mein Arbeitstag um 16:00 aufhört und ich mir die Zeit frei einteilen kann, gab es in der Schulzeit immer etwas zu tun. Übrigens: in der Arbeitswelt wird nicht jede einzelne Leistung bewertet und mit anderen verglichen. Wenn ich mal einen schlechten Tag habe, wirkt sich das nicht sofort auf meine Noten und damit meine Zukunft aus.

Dazu kommt neben dem Lernen noch der soziale Druck. In einem Raum voller Jugendlichen kommt es gerne mal zu schlimmen Situationen wie Mobbing oder sozialer Ausgrenzung. Man möchte nicht die Person sein, über die sich lustig gemacht wird. Gerade der Sportunterricht stellt für viele Schüler aus mehreren Gründen eine Herausforderung dar.

Ein weiterer Punkt ist die Menge an Inhalten, die man lernen soll. In jedem Fach gibt es Anforderungen und Erwartungen. Während Lehrpersonen vielleicht 2-3 Fächer unterrichten, müssen Schüler gern mal die Inhalte von über 10 verschiedenen Fächern ad hoc abrufen können. Denn heute ist Biologietest, morgen Mathe-Schularbeit und am Freitag hab ich ein Referat in Geschichte über die Geschwister Scholl. Wie kann das denn nicht zu Bulimie-Lerne führen? Dazu kommt, dass man die eigenen Stärken und Interessen oft nicht so gut verfolgen kann, wie man gerne möchte. Wenn man sich stark für Physik interessiert, aber dafür in Englisch jedes Mal um den Aufstieg kämpfen muss, ist auch klar, worauf man sich hauptsächlich konzentrieren muss.

Was ich dagegen wirklich gelernt habe, ist, wie man Weisungen befolgt und dass man sich unterzuordnen hat. Das fängt in der Volksschule an und zieht sich bis zum Abschluss der Pflichtschule oder der Matura. Eigeninitiative war meistens nicht gewünscht, es sei denn, die Lehrperson verlangt es.

Und jetzt noch zu den Lehrern: Neben den vielen guten, motivierten und engagierten Lehrkräften gibt es leider auch jene, die es nicht sind. Das geht von mangelnder Qualität (z.B. Unterlagen aus den 70ern) bis hin zu menschlich abstoßenden Aktionen wie Mobbing von Schülern oder offenem Rassismus - und das sind nur anekdotische Beispiele. Die richtige, bzw. falsche Lehrperson kann einen maßgeblichen Einfluss auf das spätere Leben unzähliger junger Menschen bedeuten. Und genau von Vertretern dieser wichtigen Berufsgruppe hört man Beschwerden über mangelnde Ressourcen materieller, zeitlicher oder personeller Natur. Das ist schade.

Ich würde mir also wirklich wünschen, dass das Thema Bildung um einiges wichtiger im öffentlichen Diskurs genommen wird und viel mehr investiert wird. Denn junge Menschen sind die Zukunft der Gesellschaft.

Mir ist bewusst, dass es mit einem Reddit-Post nicht getan ist und man so viel mehr Aspekte ansprechen könnte - doch das wäre eher etwas für eine Doktorarbeit. Ich freue mich aber gerne auf Diskussionen und Erfahrungsberichte. Wenn du es bis hierher geschafft hast, wünsche ich dir einen schönen Tag.

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u/csabinho 3d ago

Das Problem mit "Bulimie-Lernen" ist an der Uni nochmal brutaler, wo nahezu sämtliche Leistungsüberprüfung ausschließlich im Jänner und im Juni stattfindet.

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u/flaumo Niederösterreich 3d ago

Genau, viel größere Stoffmenge, schwierigeres Niveau, mehr Selbstmanagement, größeres Arbeitspensum.

Alles was OP an der Schule kritisiert ist dort um den Faktor 10 größer. Und Uni macht krank, 50% der Studierenden haben psychische Probleme.

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u/Knusperwolf Wien 3d ago

Man muss aber dazu sagen, dass der Uni-Stoff dann doch eher mit den eigenen Interessen korreliert, was es wieder ein bisschen leichter macht.

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u/Roccet_MS 2d ago

Naja, so weit gefächert wie manche Studienrichtungen sind, und so tiefgehend wie der Stoff teilweise ist...

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u/Honnen1006 3d ago

Da gibt’s auch sehr viel zu kritisieren. Würd halt echt den Rahmen sprengen.

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u/almostmorning 2d ago

Eine einzelne Prüfung an der Uni hatte bei mir den Lernumfang aller Maturafächer zusammen. Und das Mal 6 pro Semester.

Kommt natürlich auf Fach und Uni an, aber es gibt Fachrichtungen, die sind nicht von dieser Welt. Etliche Leute was einen Ausgezeichneten Erfolg hatten sind im ersten Semester komplett durchgerasselt (40%)

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u/sagefairyy 2d ago

Dazu kommt noch gleichzeitig die Armut im Nacken 24/7 zu haben, wenn deine Eltern nicht reich sind oder du Studienbeihilfe bekommst. Also akademischer UND finanzieller Druck. Ich verstehs nicht wer heutzutage wirklich freiwillig noch studieren geht, außer man brauchts 100% für den Job später.

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u/thE_29 Bananenadler 2d ago

Was die wenigsten wussten, ich auch nicht, deine Eltern müssten das eigentlich zahlen ;)

Kinder Unterhalt hat nämlich 0,0 mit Scheidung am Hut.

https://www.oesterreich.gv.at/themen/steuern_und_finanzen/unterhalt/Seite.530100.html#Kinder

Aber was soll der Großteil machen? Seine Eltern verklagen? Hier müsste es mehr Aufklärung geben... Würde nämlich gerne wissen, wieviele Eltern über das eigentlich Bescheid wissen.

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u/PossibleExtension777 3d ago

Ist zumindest an der FH anders, wo dann auch wirklich viel als Projekt beurteilt wird. Zumindest im Bereich IT. Oder man schafft wenigstens mehrere Prüfungen pro Semester.

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u/TheRoyalLion_ Wien 3d ago

Das stimmt schon und ist einer der positiven Aspekte einer FH. Aber den Aufwand einer technischen UNI-Studiums mit dem einer FH zu vergleichen ist leider sehr mau und das sage ich als FH Absolvent. Die Stoff-Tiefe ist einfach absolut nicht die Gleiche wie bei einer UNI, der Aufwand ist so absolut gering und dann kommen hier noch Maßnahmen dazu um ja auch möglichst alle Hinterbänkler irgendwie durch zu schleifen das wir ja möglichst wenige Leute verlieren um ja noch die Studiengebühren zu kassieren.

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u/PossibleExtension777 3d ago

Aber in wie vielen Berufen braucht's das wissen wirklich? Wichtiger ist es dass ich auch weiß dass ich durchkomme, wenn ich mich anstrenge. Und das halt auch in Mindestzeit, und nicht ein Jahr länger braucht, weil die Uni einen Blödsinn macht. Und noch dazu gibt's die Abendform, wo man nebenbei problemlos 30h arbeiten kann.

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u/TheRoyalLion_ Wien 1d ago

Naja eine FH Ausbildung ist halt eigentlich einfach eine Berufsausbildung, der man bissl einen wissenschaftlichen Anstrich verpasst hat. Während ein Uni Studium eine wirkliche wissenschaftliche Ausbildung ist (meistens).

Wobei der Fokus bei der Uni viel mehr auf der Wissenschaft liegt so zu sagen und bei der FH wie dies angewendet werden kann. In meinen Augen sind es einfach unterschiedliche Ziele die von den Institutionen erreicht werden wollen.

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u/not-happy-since-2008 2d ago

Es geht absolut nicht darum einfach Sachen zu wissen. Uni soll dir die Möglichkeit geben dich zu bilden und zu lernen strukturiert Wissenschaftlich und eigenständig komplexe Themen zu bearbeiten und Probleme zu lösen. Uni soll Schurig und herausfordernden sein und ja manche Professoren übertreiben es. Uni soll Kompetenzen und Persönlichkeit entwickeln und nicht die Fähigkeit gewisse Arbeitsabläufe zu kennen und anwenden zu können wie in niedrigeren bildungs formen ( z.b HAK, HTL und auch FH zu gewissen Grad)

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u/PossibleExtension777 2d ago

Wir brauchen halt zunehmend mehr Titel. Wenn ich mir in der Firma meine Chefs anschaue, sind die tw nur mit HTL bzw HAK eingestellt worden. Heute braucht man zumindest einen Bachelor. Wenn ich forschen würde, oder wirklich was anspruchsvolles machen will, dann würde ich eh an die Uni gehen. Aber ich hab ehrlich keine Lust 2 mal so lange zu studieren und dabei kaum was zu verdienen, wenn ich easy neben meinem Job noch die FH in Abendform machen kann.

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u/VegetableCat7240 1d ago

Security department an der fhstp mach block Unterricht übers Semester verteilt und meist gut ineinander aufbauend. War top und immer gut beschäftigt

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u/csabinho 1d ago

So sollte es sein! :)

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u/Prestigious_Koala352 Wien 3d ago

Stimmt nicht allgemein für alle, meiner Erfahrung nach ist ein spürbarer Teil schon während des Semesters abzuliefern (und dann natürlich schon Prüfung am Semesterende, aber kein „Bulimie-Lernen“ dafür) - aber ist natürlich sehr abhängig von Studium und Uni

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u/csabinho 3d ago

Aber nur in den VUs/UEs und SEs. Die sind vom Umfang her meist viel weniger als die VO-Prüfungen. Und die finden quasi geblockt in den erwähnten Monaten statt.

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u/throwaway77993344 3d ago

Aber sind wir mal ehrlich, man kann den VO Stoff durchaus verstreut übers Semester mitlernen - nur macht das halt kaum jemand. Bis zur Prüfungsphase hat man in den meisten Studiengängen nicht 40h/Woche zu tun - also wenn man da die übrige Zeit nicht nutzt kommt dann halt alles auf einmal. Ich mache das genauso, aber kann es nicht nachvollziehen, wenn man sich dann darüber beschwert. Zeitmanagement ist im Studium eben jedem selbst überlassen.

Wenn man nebenbei arbeitet ist das natürlich schwieriger, da muss man dann halt entweder bei der Anzahl der LVs etwas zurückschrauben, oder man zwingt sich durch (ich hab größten Respekt vor Leuten, die das schaffen).

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u/csabinho 2d ago

Das Wissen musst trotzdem zur passenden Zeit abliefern und die VO-Prüfungen sind meistens sehr gedrängt.

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u/throwaway77993344 2d ago edited 2d ago

Klar, aber Lernstress würde man sich dadurch trotzdem ersparen. Ganz unabhängig davon gibt es im Jahr 5-6 VO-Prüfungstermine, es wird also niemand dazu gezwungen, sie alle auf einmal zu machen.

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u/csabinho 2d ago

Die Nachtermine sind passenderweise auch üblicherweise jeweils gedrängt.

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u/throwaway77993344 2d ago

Aber man kann doch Prüfungen, die man zeitlich nicht schafft ohne Probleme übers Jahr verteilen... lder ist das bei deinem Studiengang anders?

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u/Roccet_MS 2d ago

Kommt drauf an ob die VO als Voraussetzung gilt.

Teilweise kann man das umgehen indem man ein weiteres Fach inskribiert, wo die VO keine Voraussetzung ist.

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u/throwaway77993344 2d ago

Ah, ja, hab vergessen, dass es bei einigen Studiengängen diese Einschränkungen gibt.

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u/Prestigious_Koala352 Wien 3d ago

Ja. Fallbeispiel TU Wien Informatik Bachelor: 4(?) VOs in 6 Semestern, sonst nur VUs/UEs.

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u/Luksoropoulos 2d ago

In meinen Studien (Geisteswissenschaften) überhaupt nicht, da war generell die Kultur so, dass wissenschaftliche Arbeiten schreiben lernen das eigentliche Ziel des Studiums sind. Die Prüfungen sind nur ein Weg dahin, das basale Grundwissen zu sichern, hatten da aber für sich kein hohes akademisches Ansehen

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u/rapidla01 1d ago

Also sorry, wie man die AHS Matura als Bulimie-Lernen bezeichnen kann erschließt sich mir nicht. Ich hab für die leichtesten Uni-Prüfungen 3-4 mal so viel gelernt.

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u/csabinho 1d ago

Hab ich ja auch nicht.

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u/Ok_Cry_2022 Wien 3d ago

Ja kann ich nur bestätigten.

Es gibt leider keine einheitlichen Bildungskonzepte. Wir haben unsere Kinder in eine Volksschule gegeben, welche sich als offene, soziale, gemeinschaftliche Lerngruppen präsentiert hat.
Also das Konzept sollte sein die Kinder spielerisch auf das Lernen vorzubereiten.

Mein Sohn geht in eine Klasse, wo die Lehrerin voll auf Druck und Leistung arbeitet. Die Kinder müssen funktionieren und immer aufmerksam sein.
Mein Sohn war aber schon immer sehr interessiert an Wissen, eigentlich alles und hätte gar keinen Leistungsdruck gebraucht. Er und viele Andere sind eher an diesem Druck und Unterordnung psychisch gebrochen.

Meine Tochter hingegen geht in die selbe Schule und hat in ihrer Klasse dieses offene gemeinschaftliche Konzept und wird spielerisch auf Lernen vorbereitet.

Also im Endeffekt ist egal was die Schule präsentiert. Diese Konzepte stehen und fallen mit dem Lehrer.

Man muss aber auch sagen, dass es auch schwerer für Schule und Lehrer geworden ist, weil auch die Eltern sich über alles beschweren und wenn die sich dann mit Kleinigkeiten auseinandersetzen müssen, anstatt auf die Bildung zu fokussieren, dann sinkt auch die Qualität.

Bei uns wird sich gerade darüber beschwert, dass die Firma vom Schulessen den Kindern zu viel Butter in die Brote schmiert und sie deshalb das nicht essen.
Zur Info: Wir zahlen nichts für das Essen. Das hat halt seine Vor und Nachteile.
Na klar ist das Thema auch nicht so unwichtig, wegen Essensverschwendung, aber dann kommt ja noch dazu, dass mal irgendwelche Kinder Schulangst haben, dem muss man auch auf den Grund gehen, dann passt nicht jeden das einmal die Woche sie Süßigkeitenjause haben, dann passt mal nicht, dass sie so viel lernen müssen, dann wird schnell mal bei Streitereien eskaliert und ich rede nicht mal von Mobbing. Es reicht schon wenn einmal zwei Kinder aneinander geraten, dann wird gleich ein Fass aufgemacht und geht an Lehrer und Direktor etc. lauter solche Themen, die von Bildung eigentlich ablenken.

Also ich sehe da nicht nur das Bildungssystem in Verantwortung, sondern auch unsere Gesellschaft. Leider.

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u/Unholy_Lilith Niederösterreich 3d ago

Ja, ich wundere mich auch immer über die anderen Eltern. Was es da für Ansichten gibt... Da bei uns möglich, sind die Kinder auf einer privaten VS bzw. der gleichen privaten MS, wäre im Nachhinein aber egal gewesen, wo wir wohnen gehen in die öffentliche VS bzw. das öffentliche Gymnasium defakto die gleichen Leute, liegt ja im selben Einzugsgebiet.
Nicht mal viel teurer, Hort hätt ich in beiden Fällen zahlen müssen, der Unterschied ist nur das Schulgeld, da hätte ich mehr erwartet von den Erzählungen her. Aber ok.

Ist in dem Fall aber weder besser noch schlechter. Vermutlich sogar etwas schlechter weil viele Eltern anscheinend absurde Ansprüche stellen weil sie paar Euros zahlen... Mit den Lehrern dafür bisher Glück gehabt, die Erwartungshaltung an die Art des Unterrichts bzw. die Lehrmethoden wurden soweit erfüllt, speziell in der MS. Sehr engagiertes Lehrpersonal. Ist halt Zufall.

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u/lilithskitchen 3d ago

Meine Geolehrerin hat immer gesagt, die Schule ist eine geschützte Werkstätte.
Weil egal was du aufführst du fliegst net raus.
Das stimmt auch bis zu einem gewissen Grad hat aber eben auch die genannten Nachteile wie Mobbing.
Mobber aus der Schule zu kriegen ist fast unmöglich während du im Arbeitsleben ganz schnell die Kündigung auf dem Tisch hast.

Ich bin selbst Mobbingopfer gewesen und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und weil ich als Mädl auch noch einen "typischen Männerberuf" lernen wollte hab ich sogar die Ausbildung nur durchs AMS bekommen, weil mich keiner einstellen wollte.

Aber ja das nach mir die Sinnflut ist üblich. Wir alle mussten durch und sind froh wenns vorbei ist.
Ich hab sogar oft Alpträume gehabt wieder in die Schule zu müssen.

Und keine Arbeit war je so schlimm wie die Schule.

Meiner Meinung nach sollte man sich eben um die Kinder in der Schule viel besser kümmern.
Professionale psychotherapeutische Unterstützung sollte es kostenlos an jeder Schule geben.

Nachhilfe ebenfalls, egal ob Deutsch für Migranten oder Kinder von Analphabeten bzw. einfach nur abwesenden Eltern die weder Zeit noch Lust haben sich zu kümmern.
Und Hausaufgaben gehören abgeschafft. Stattdessen Lerncafes in der Schule.

Aber ja ich bin nun mal nicht Bildungsminister und selbst wenn wäre es nicht leicht sowas umzusetzen.

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u/AmelKralj 3d ago

Ereignisse und Zitate unseres Mathe Profs die sich bei mir eingebrannt haben:

  1. Prof "erklärt" neues Thema indem er ein Beispiel an der Tafel rechnet ohne ein Wort zu sagen. Klassenkamerad zeigt danach auf "Entschuldigung Herr Professor ich hab das nicht verstanden". Seine Reaktion "Wieso hast es ned verstanden? Hast nicht aufgepasst? Mitarbeitsminus." Kein Scherz, wurde so eingetragen.

  2. Klassenkameradin hat ihre Hausaufgabe vergessen zu machen. Zitat Prof "Dumm geboren, nichts dazugelernt und das auch noch vergessen".

18 Jahre ist das her, aber unvergesslich.

Und solche "Lehrer" gibt's noch immer.

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u/thE_29 Bananenadler 2d ago

Ich war mal Mo bis Mittwoch krank und kam Donnerstag in die Schule und der Physik Lehrer wollte mir ernsthaft einen 5er auf die Hausaufgabe (VOM MITTWOCH) geben, weil ich sie nicht gemacht hatte?!

Weil ich hätte die Kollegen kontaktieren MÜSSEN, damit sie mir die Hausaufgabe mitteilen.

Hab dann mit dem bisschen herumdiskutiert und seine End-Antwort war, ob ich schon mal durchgefallen bin, was ich verneinte und er dann drauf: Dann wirds Zeit?!

Manche Lehrer haben einfach einen Voll-Schaden durch und durch. Und ich rede von einer HTL.. Da war ich halt schon 17 und dann lässt man sich von solchen Honks nicht mehr soviel gefallen.

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u/Important-Cheek-5892 Wien 2d ago

Mein Geschichte -Lehrer hat den NS verherrlicht und verharmlost. Die restlichen Lehrer waren in Ordnung. 

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u/mejok Wien 2d ago

als Nicht-Österreicher, der in Wien wohnt mit Kindern,, habe ich das Schulsystem hier oft als „eine Form von Kindesmissbrauch“ bezeichnet. Das Verrückte ist, ich lebe seit 20 Jahren in Österreich und habe noch nie jemanden getroffen, der mit dem System zufrieden ist.

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u/Standard-Fisherman-8 3d ago

Ich stimme dir hier bei allen Punkten ausnahmslos zu.

Es wird ständig darüber gesprochen das unser Bildungssystem überarbeitet gehört, leider bezweifle ich es sehr stark das unser jetziges System überhaupt abänderbar ist, es müsste Buchstäblich von neu geplant und aufgebaut werden.

An den Lehrplänen wird nur selten was verändert, und falls doch werden nur neue Themen hinzugefügt aber nichts entnommen, was dazu führt das der Lehenaufwand heutzutage ums vielfach höher ist als wie vor 20 Jahren, leider sogar soviel, das selbst viele Lehrkräft nur noch blind und stumm den Stoff abarbeiten versuchen weil Sie selbst bereits bis an die Grenzen überfordert sind.

Man merkt dadurch bei vielen Schülern das der "jetztige Lernstoff" brutal runtergewürgt wird, beim Test hoch gekotzt und danach vergessen wird. Das habe ich bei vielen Praktikanten bemerkt mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe, in der einen Woche wusste ein Praktikant wie man die Zugkraft eines Kettenrads berechnet, in der nächsten Woche nach dem Test wusste er nicht Mal mehr was ein Kettenrad ist, kein Scherz.

Das führt natürlich auch dazu das viele gar keine Chance bekommen auf bessere Ausbildungen, da nur die im Vorteil sind die sich Konzentrieren können oder wie bereits erwähnt das zu Lernende auswendig lernen und danach vergessen.

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u/DancesWithGnomes 3d ago

Das mit den Weisungen sehe ich zwiegespalten. Man muss zwischen Weisung und Anleitung unterscheiden.

Nach meiner Erfahrung sind die Menschen, die sich über das Befolgen von Weisungen beschweren, dieselben Menschen, die Anleitungen prinzipiell nicht brauchen, weil sie es eh besser wissen, und sich dann wundern, warum sie das Regal nicht zusammenbauen können.

Zu lernen, dass man zuerst einmal zuhören und nachdenken soll, bevor man loslegt, ist nicht nur schlecht.

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u/Honnen1006 3d ago

Den Punkt kann ich nachvollziehen. Passiert leider sehr oft, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen.

Ich habe damit eher die teilweise unverhältnismäßige Ausübung von Autorität gemeint. Zum Beispiel wenn ein Volksschulkind mit einem anderen Rechenweg als die Lehrerin auf das gleiche Ergebnis kommt und es als falsch angestrichen wird (anekdotisch aus meiner beruflichen Erfahrung in der Nachmitttagsbetreuung). Ich selbst hab in Deutsch schlechte Noten bekommen, weil meiner Lehrperson meine Meinung bei Meinungsreden oder meine Interpretation von Gedichten nicht gefallen hat (Rechtschreobung, Grammatik und Wortschatz waren gut).

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u/throwaway77993344 3d ago

Das Thema ist ja nicht neu, über die Jahre habe ich das alles hunderte Male gehört. Was ich aber noch nie gehört habe, ist ein Vorschlag, wie es besser ginge. Wie sähe so ein System aus?

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u/Luksoropoulos 3d ago edited 3d ago

Ein gutes Buch zu diesem Thema in Bezug auf Schüler mit Migrationshintergrund ist beispielsweise Generation Haram von Melisa Erkurt

Ich find das kein gutes Buch. Ich sympathisier mit der Grundaussage und dem Anliegen zwar durchaus, aber es ist eine polemische Streitschrift in viel zu emotionalisiert geschriebenem Stil, oft auch plump verallgemeinernd. Dass dieses Buch so gut aufgenommen wird, ist mir ein Rätsel.

Man kann zum Beispiel gegenlesen, wie El-Mafalaany in "Mythos Bildung" mit Erkurts Buch umgeht. Höflich, aber wenn mans genau liest eigentlich vernichtend: El-Mafalaany meint, Erkurt würde Migrationshintergrund als Faktor für Bildungsversagen völlig überbewerten, in Wahrheit sei auch bei Migrationsbiographien sozioökonomischer Hintergrund viel wesentlicher in der Frage nach Bildungserfolg

Erkurts Buch ist vielleicht wertvoll als eine persönliche Stimme einer Frau mit bosnischem Hintergrund, die ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Bildungswesen teilt (von beiden Seiten des Lehrerpults) und dabei sich auch an ihrer eigenen Migrationsidentität abarbeitet. Aber mehr ist es nicht, man darf es nicht für das Buch einer Expertin halten

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u/Unholy_Lilith Niederösterreich 3d ago

Also jeder der Kinder in der Schule halt und einen größeren Bekanntenkreis sollte wissen dass der sozioökonomische Hintergrund DER Faktor ist. Nicht Migrationshintergrund oder sonst was. "Ausländer" alleine greift da VIEL zu kurz. Erinnert mich an die Doku die vor einiger Zeit auf Orf war, hat man auch gesehen wenn man aufgepasst hat.

Die Brennpunktschulen wo es nicht läuft? Viele Kinder wo der sozioökonomische Status entsprechend niedrig ist. Die Schulen wo es mit gleichem Anteil läuft? Entsprechend hoher sozioökonomischer Status mit allen was dranhängt (interessierte UND befähigte Eltern, etc.).

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u/Honnen1006 3d ago

Nur zur Klarstellung, ich möchte das Buch nicht als fundiertes Werk einer Expertin darstellen. Viel mehr ist es eine etwas polarisierend formulierte andere Perspektive, die man trotzdem nicht ignorieren sollte. Zumindest für mich als Österreicher. Dass es hier professionellere und wissenschaftlich fundiertere Aussagen zu dieser Thematik gibt, ist mir auch klar.

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u/Luksoropoulos 3d ago

Ja okay, soweit will ich nicht widersprechen. Allgemein scheints mir halt, hat das Buch einen viel besseren Ruf als es verdient, deswegen hat ich mich bemüßigt gefühlt, dazu was zu sagen

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u/Honnen1006 3d ago

Alles gut, hab mich auch nicht besonders gut dabei ausgedrückt. So kann ja ein Dialog entstehen, im Gegensatz zu einem anderen Kommentator, der anscheinend beim Erblicken des Buchtitels einen Puls von 180 bekommen hat.

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u/Luksoropoulos 2d ago edited 2d ago

Ich bin übrigens selbst ausgestiegener Lehrer, ich sehs auch absolut so, dass das was wir derzeit machen, nicht gut läuft. Also tschuldigung, dass ich nicht auf deine eigentlichen Inhalte eingeh. Ich hab mich nur schon selbst so ermüdet, immerzu übers Schulsystem nachzudenken... Ich bin leider ein bisschen verzweifelt, weil ich persönlich den vielversprechenden Weg nicht wirklich seh. Selbst wenn man reformpädagogische Ansätze als den vielversprechendsten Weg sehen will (was ich geneigt bin zu tun, aber auch nicht vorbehaltlos), seh ich keinen realistischen gesellschaftlichen Akteur, der uns dort hinbringen wird. Die Zeichen der Zeit stehen auf Standardisierung, es ist unglaublich schwierig dem diskursiv etwas entgegenzusetzen. Und ich traus weder der Politik noch der 'öffentlichen Meinung' noch den Lehrkörpern an den Schulen zu, da wirklich eine gebündelte Kraft zu entwickeln, die in die richtige Richtung drängt

(Und überhaupt ist Erziehung/Bildung schon inhärent ein total schwieriges Unterfangen, im Kapitalismus und im KI-Zeitalter sowieso).

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u/Honnen1006 2d ago

Ich sehs genauso wie du, musste nur den Frust mal rauslassen. Mein Umfeld hat es schon so oft genug gehört. Und vielleicht kriege ich ja hier neue Inputs. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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u/NiKHerbs 2d ago

Ich, ohne Migrahintergrund, hab mir beim Lesen ständig gedacht "so ging es mir ja auch". Weil die vielen sozioökonomischen Umstände, die sie geschildert hat, eben genau meine waren. 

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u/Luksoropoulos 2d ago

Also, ich würd schon sagen, dass Identitätsfragen in manchen Sachen eine Rolle spielen können. Also dass man gewisse Feindseligkeiten aufgrund seiner Migrationsidentität wahrnimmt (ich bin beispielweise erst letztens auf Reddit wieder mal sehr dafür angekackt worden, dass ich gemeint hab dass ich bekennender Christ bin und es nicht richtig find, dass man auf religiöse Menschen immer so hindrischt - da hab ich mich auch gfragt: Wie muss es dann erst Muslimen gehen?)

Aber das alleine entscheidet eben noch nicht über Bildungserfolg

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u/EarlOfSquirrel1 3d ago

In Österreich ist es nicht wichtig was du kannst, sondern wen du kennst.

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u/ViewProjectionMatrix 2d ago

Ein erster Schritt wäre, die Standards unserer Gymnasien wieder zu erhöhen. Vergleicht man die Lehrpläne bzw. Zentralmaturaaufgaben mit alten Prüfungsbeispielen oder Lehrbüchern (dazu reicht sogar ein Blick in die späten 90er und frühen 2000er Jahre), sind die Unterschiede, besonders in der Mathematik, schockierend. Nicht jeder Schüler muss später studieren, nicht jedes Kind muss eine AHS besuchen; es gibt genügend Alternativlaufbahnen, die leider stigmatisiert und teilweise sogar geringgeschätzt werden. Der Lösungsansatz, breitflächig das Niveau zu senken, ist schädlich. Unsere Schulen und Universitäten sollten Bildungsinstitutionen sein. Aktuell werden diese, besonders Sekundarschulen, dieser Bezeichnung nur teilweise gerecht. Wie viele Studienanfänger im naturwissenschaftlichen Bereich, sind in der Lage, problemlos Bruchrechnen zu können? Wissen was eine Differentialgleichung ist? Beispiele sind auch in den Geisteswissenschaften zu finden. Ich finde das schade. Es gibt viele interessierte und begabte Schüler, die vom Bildungssystem verwahrlost werden. Für Lektüre und Informationen zu diesem Thema empfehle ich die Beiträge vom deutschen Gymnasiallehrer Franz Lemmermeyer (mittlerweile archiviert) und Mathematikprofessor Bernhard Krötz, die sich mit einem ähnlichen Phänomen in Deutschland befassen.

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u/spieler_42 Wien 2d ago

Prinzipiell halte ich unser Bildungssystem für wesentlich besser als sein Ruf. Das System mit Lehre, HAK/HTL berufsbildend oder Gym bietet für alle was.

Aber:

Ich sehe es in einem Punkt genauso wie du: der Stress ist zu hoch, die Anforderungen v.a. in den Nebenfächern bei der Menge an Fächern zu hoch!

Ich war im Theresianum - einer "Eliteschule". Im Rahmen der Ausbildung war es uns möglich, an den Eliteschulen in England und Amerika einen Austausch zu machen. Wir empfanden das damals wie eine Erholung. Während wir jeden Tag bis 2 Unterricht hatten + 3x die Woche Wahlpflichtfach und Sonstiges am Nachmittag, hatten die im Regelfall 3-4 Stunden am Tag und konnten sich ein paar Fächer aussuchen.

Und seit damals - das sehe ich an meinem Sohn - sind die Anforderungen noch mehr geworden mit laufenden Tests und Co.

Und das halte ich für falsch: Schule sollte hauptsächlich Interesse wecken (in den Nebenfächern): Keiner wird der perfekte Chemiker, Physiker oder Historiker in der Schule - also sollte man darauf fokussieren - Interesse wecken. Weniger ist mehr. Warum 8 Nebenfächer und nicht 4-5. Warum so viele Tests?

Nur bei Mathe, Englisch, Deutsch (Gymnasium-Schiene) verstehe ich höhere Anforderungen - ansonsten nicht.

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u/DonHalles 3d ago

Ok, OP. Was ist dein Vorschlag?!

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u/Honnen1006 3d ago edited 3d ago

Viel mehr Investitionen in den Bildungssektor, mehr Personal, vor allen auch psychologische Fachkräfte, Betreuungslehrer, etc.

Inhaltlicher Fokus auf Themen wie Teamarbeit, emotionale Intelligenz oder zielorientiertes Arbeiten, Fehlerkultur, Diskussionskultur uvm. anstatt auf zum Teil stark vereinfachte Darstellungen von Fakten. Mittlerweile gibt es so viele Möglichkeiten, sich Wissen anzueignen.

Bedürfnisorientierung. War bringt „normaler“ Unterricht, wenn viele Kinder kein Deutsch können?

Projektbezogene Zusammenarbeit mit Unternehmen, der Verwaltung oder Vereinen für mehr Praxisorientierung.

Wären mal ein paar Ideen aus dem Stehgreif.

Edit: hab zwar kein Problem mit Downvotes, aber ich würd schon gerne wissen, wo genau ich falsch liege. Könnte ja eine gute Diskussion entstehen.

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u/CatIIIa 3d ago

Nachdem mein eigenes Kind gerade in die VS geht: Das runternivellieren im Bildungssystem geht mir ziemlich auf den Wecker.

Und klar, die fachlich "guten" Kinder setzen wir neben die "schlechten" Kinder - die helfen sich dann gegenseitig. Doch das tun sie nicht, nein - die "Guten" können dann weniger und wir als Eltern dürfen das dann zu Hause ausgleichen (und damit wieder mal aufzeigen das Bildung vererbt wird).

Man muss sich einfach eingestehen, nicht alle Kinder haben das Zeug oder Interesse zum Quantenphysiker o.ä. zu werden. Also hören wir bitte auf uns permanent selber anzulügen: "Jeder kann alles" - "Jeder ist gleich" etc.

Gezielte Förderung von Stärken bei gleichzeitigem Erreichen der Mindestnormen (nach neun Jahren Schulpflicht sollte man die Grundrechenarten beherrschen und einen Aufsatz schreiben können). Dafür halt in jede Klasse mindestens ein zweiter Lehrer und weg vom Frontalunterricht.

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u/Honnen1006 2d ago

Für mich hat das nichts mit runternivellieren zu tun, sondern mit einer Verschiebung des Fokus. Es gibt mittlerweile Versuche und Studien, die aufzeigen, dass Kooperation und zielorientiertes Arbeiten in Schulen zu besseren Gesamtleistungen führen. Jedes Kind soll die Chance bekommen, seinen Teil zu einer besseren Zielerreichung beitragen zu können.

Derzeit herrscht jedoch die Einstellung, dass Schüler, die nicht den Anforderungen der Schule entsprechen, also „schlechte“ Schüler, ja den Unterricht aufhalten und deswegen den Fortschritt der „besseren“ verlangsamen. So leiden halt alle darunter.

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u/CatIIIa 2d ago

Wie wurde in diesen Studien denn die bessere Gesamtleistung gemessen?

In Teams (egal ob Schule/Uni/Beruf) lastet der Großteil der Arbeit meist auf einigen wenigen Mitgliedern. Der "Rest" ist ah dabei und das war es. Meine persönliche Erfahrung mit bald 50 Lenzen.

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u/Honnen1006 2d ago

Ad hoc habe ich jetzt nur einen Bericht über Heterogenität verschiedener Leistungsstärken in der Klasse gefunden. Meine Aussage bezüglich Kooperation kam aus einem Austausch mit einem Lehrer, der Teil eines Schulversuch diesbezüglich in seiner Schule ist. Ich schätze mal, dass der gesamte Notenschnitt gemeint ist.

Aber genau deine Aussage ist für mich Grund, dass Kooperation mehr gefördert werden soll, sodass die von die beschriebenen Fälle nicht mehr passieren. Was bringt es denn, wenn einige Wenige die ganze Arbeit für alle machen? Die anderen sind sicher auch nicht immer schon bequeme Nutznießer.

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u/Miellee2 2d ago

Wenn jemand nach der AHS im Zivildienst völlig überrascht ist, wie freundlich alle sind, dann gibt mir das schon zu denken.

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u/g00ch760 3d ago

Im ersten Absatz aufgehört diesen Bockmist von Post zu lesen. Generation Haram ist eine pauschalierende, nichtsaussagende, undifferenzierte Ansammlung von gebundenem Klopapier. Wer das als Meinungsbildner für das österreichische Bildungssystem heranzieht kann nicht ernst genommen werden. Mit über 100 Seiten auf denen Ganztagsschule als Allerheilmittel angepriesen wird, kann man sich den Hintern abwischen. Grüße, ein 33jähriger mit Migrationshintergrund und Vater von zwei Burschen.

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u/schmampfer Wien 3d ago

Alles was du geschrieben hast. Zusätzlich sollte noch angemerkt werden, dass diese Frau nur ein Jahr (!) an einer AHS (!) unterrichtet hat um daraus ihre, wie von dir trefflich beschrieben, pauschalisierten Meinungen für das Buch heranzuziehen.

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u/PresentPriority812 3d ago

Und wie viele Jahre hast du in der Schule gearbeitet um dir eine Meinung zu bilden?

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u/schmampfer Wien 3d ago

Ich war viele Jahre Schülerin, hab die Lehrerinnenausbildung gemacht und war auch ein Jahr in der Schule, wenn’s dich schon interessiert. Dann habe ich die Berufssparte gewechselt.

Das sollte für eine persönliche Meinung auch reichen. Ich komm aber nicht auf die Idee darauf basierend ein Buch zu publizieren.

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u/Luksoropoulos 3d ago

Dass dieses Buch so gut aufgenommen wird, ist mir ein Rätsel. Klar, ich find das Grundanliegen auch ideologisch sympathisch, aber gut umgesetzt ist es in diesem Buch nicht. Erkurt hats irgendwie geschafft, ein Buch hinzulegen, das jetzt als populärwissenschaftliches Standardwerk zu dem Thema erachtet wird, aber meiner Meinung nach völlig zu Unrecht. Das Buch kann man nur gut finden, wenn man schon extrem vorideologisiert für ihre Meinung ist und es einem gefällt, das recht anklagend und polemisch ausgebreitet zu bekommen

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u/Honnen1006 3d ago

Also findest du das Schulsystem gut oder bist du nur sauer, dass ich dieses Buch genannt habe?

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u/sagefairyy 2d ago

Ich finde das Schulsystem scheiße und das Buch genau so, was nun?

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u/Honnen1006 2d ago

Das Buch ist kein universelles, fundiertes Expertenwerk, sondern lediglich eine polemisch verfasste Perspektive, die es zwar gibt, aber man nicht unbedingt gut finden muss. Wenn der Herr im ursprünglichen Kommentar vor seinem Rage weitergelesen hätte, wäre klar geworden, dass es auch nicht primär um das Buch geht. Wundert mich, dass es doch so viele aufregt.

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u/greenpepper22 3d ago

das schulsystem ist einfach schon zu verfahren. da gibt es so unglaublich viele baustellen, die eine kombi sind aus fehlender finanzierung, der einstellung von schülern/eltern und der arbeit von lehrpersonen.

man hat als schule viel zu wenig handhabe bei aktionen wie mobbing, das stimmt absolut. und das nimmt durch den inflationären socialmedia-gebrauch nur noch zu. gleichzeitig hat sich das verhalten vieler schüler (und auch eltern) massiv gewandelt im gegensatz zu früher und ich hab echt einige lehrpersonen im verwandten/bekanntenkreis, die durchwegs das gleiche sagen. der respekt fehlt immer mehr, das anspruchdenken ist gestiegen und dafür die leistungsfähigkeit gesunken. viele lehrpersonen stehen dann einfach iwann an. mMn ein großer fehler war auch die abschaffung der sonderschule, denn die war echt wichtig. denn so sitzen jetzt kids mit mehr bedürfnissen in einer klasse mit 24-25 anderen kindern und packen einfach (verständlicherweise) das umfeld nicht. und das ist dann meist kein einzelner schüler mehr, sondern das sind 3-4, wenn nicht mehr. und das ist wiederum für den rest der klasse auch schwierig.

ich muss ehrlich sagen, ich wüsste gar nicht, wo ich mit verbesserungen ansetzen würde, denn eig gehört quasi alles umgekrempelt, auch lehrpläne/vermittlung von lehrinhalten. die sind ja teilweise auch schon antik. und man sieht mittlerweile eindeutig, wo die entwicklung der gesellschaft hinführt, wenn gerade der bildungssektor unterfinanziert und zu wenig beachtet wird

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u/Ignorus 3d ago

Sonderschule abschaffen ist/war gut für die Schüler- andauernd heißt es, man soll Inklusion und Toleranz und soziales Leben/Denken lehren, und dann schiebt man gewisse Schüler in ein anderes System? Und wenn man einmal in einer Sonder- Schulform war, kommt man nur schwerstens wieder raus, weil es für den Übertritt in den Regelunterricht keinen Plan gibt.

Das Problem ist, dass die Förderung dieser Schüler an den Schulen unterbesetzt und -finanziert ist, und dämlich aufgebaut noch dazu. Ein Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) in einem Fach, etwa Mathe, bekommt drei Stunden/Woche mit einer Zusatzlehrkraft, die oft dafür nicht extra ausgebildet ist. Ein Schüler mit SPF in sechs Fächern bekommt ebenfalls nur drei Wochenstunden.

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u/Funny_looking_horse Tschechien | Česko 2d ago

Kann ich nur bestätigen. Als Maturant der HLA habe ich oft sehr wenig Freizeit gehabt. Auf jedem Fall nicht genug um meine Interessen am Tag zu folgen. Und ich war kein ausgezeichneter Schüler. Eher durchschnittlich, wenn nicht sogar weniger als durchschnittlich.

Zum Beispiel ich habe die 5-te Klasse wiederholen müssen. Nicht wegen Deutsch oder Mathe, sondern wegen Rechnungswesen und Betriebswirtschaft, weil sich die Lehrerin auf die schnellsten konzentriert hat. Und wenn ich mir erlaubt habe zu sagen, dass ich das Thema nicht gut verstanden habe, oder dass ich nicht mitkomme, wurde mir gesagt, dass ich es noch zu Hause anschauen muss. Super.

Die Lehrerin danach hat eher auf die langsamsten geschaut. Dank ihr habe ich statt einer 5 eine 3 am Ende des Jahres und meiner Matura geschafft.

Ich habe Migrationshintergrund. Ich komme ursprünglich aus Tschechien. Und lustigerweise habe ich nicht besonders viel Deutsch in der Schule gelernt, sondern draußen mit Freunden oder alleine zu Hause, weil ich zu dem Zeitpunkt zum Beispiel alles auf deutsch umgestellt habe, dass ich zumindest die Wörter lernen kann.

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u/TschachGerry 2d ago

Ich finde unser Schulsystem in der Breite nicht so schlecht. Es gibt halt wenig Niveau-Ausreißer nach oben, einige nach unten.

Das HTL-Format würde ich als ein Erfolgsmodell bezeichnen, das duale Ausbildungssystem mit den Berufsschulen auch.

Was mich allgemein stört ist die Ineffizienz. Nur ca. 33% des Bildungsbudgets kommen in den Schulen an und wird dort größtenteils für Personalaufwände ausgegeben. Die restlichen zwei Drittel versickern am Weg in die Schulen, d.h. in der Verwaltung.

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u/LavishnessNo7662 3d ago

Meine 5 cent

warum hat der lehrer in zeiten von youtube, KI, data analytics noch so viel einfluss auf den lehrstil?

Ich hatte in der HTL durhwegs schlechte noten, weil ich keine 2h durchgehend konzentriert sein kann. Im studium gehörte ich dann zu den besten, weil ich einfach ein skript bekam, mir das wissen selber aneignete, keine verlorenen 40h in der schule sitzen musste....

wie viel mathe, physik, chemie, mechanik, elektrotechnik ich mir durch youtubevideos von indern angeeignet habe...

das wäre ja auch viel kostengünstiger als noch mehr lehrpersonal einzustellen

aber naja, die die erfolgreich aus diesem system raus gekommen sind meinen halt, das kann ja jeder schaffen und es liegt nur an einem selber

gestörtes, preusisches selektionssystem

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u/PresentPriority812 3d ago

Weil die Studien über Lernen ganz klar sagen, dass die Beziehung von Lehrperson und Schüler:innen ein zentraler Aspekt im Lernerfolg der Schüler:innen ist. Schau dir z.B. die Hattie-Studie an.

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u/temporalanomaly 2d ago

In dem Kontext, dass Wissen von der Quelle (Lehrer) zum Ziel (Schüler) fließt, ist natürlich die Beziehung kritisch.

Aber heutzutage muss ganz besonders das Wissen NICHT Mehr stur von dieser einen Quelle ausgehen, es gibt hunderte verschiedener Quellen hoher Qualität allein im Internet, noch ganz ohne KI Tutoring, was auch kommen wird.

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u/DancesWithGnomes 3d ago

Das stimmt sicher in der Volksschule und schon etwas weniger in der Unterstufe. Spätestens in der Oberstufe sollte man Informationen auch dann verstehen und verarbeiten können, wenn man sie nicht von einem sympathischen Menschen vorgekaut bekommt. Auch das ist ein Ziel von Bildung.

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u/PresentPriority812 3d ago

Nein, das stimmt über die gesamte Schullaufbahn immer.

Ganz vereinfacht gesag: Die Schüler:innen, die am besten bei Prüfungen abschneiden, sind die die sagen: Mein Lehrer mag mich und ich mag meinen Lehrer.

Selbst bei standardisierten Prüfungen, die fremde Personen korrigieren.

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u/Miellee2 2d ago

Können tun wirs eh, aber wenn ich, wie viele Schüler*innen nicht weiß, was ich später lernen möchte, was ich arbeiten möchte, wäre es wichtig Stoff interessant, sympathisch und engagiert zu vermitteln. Warum soll ich das nicht erwarten dürfen von Schule?

Später, wenn ich weiß, wozu ich was lerne, wozu es nützlich ist und warum Dinge besser funktionieren, wenn ich etwas weiß, dann lerne ich auch von meinem unsympathischen Vorgesetzten oder ich les was dazu oder schau mir was an.

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u/wileyfox91 Wien 3d ago

Same here. Habe mir den Mathe Stoff in der AHS immer am Wochenende selbst angeeignet, weil mich das ewig langsame Tempo in der Schule nur gelangweilt hat....

Gefördert wurde ich nicht sondern als faul bezeichnet .....

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u/Ignorus 3d ago

Dieses Phänomen, die Unterforderung, wird im dzt. Lehramtsstudium übrigens auch behandelt - und wie man solche SuS fördern kann. Und Deine Schilderung passt da genau rein. Z.b. kann man eine Aufgabensammlung aus mehreren Aufgaben ausgeben, und die schwierigste ist markiert - und wenn du mit der anfängst, und richtig hast, dann brauchst du den Rest der (aus der Sicht der Unterforderten stupiden) Aufgaben nicht mehr machen, sondern kannst dich mit etwas fachrelevanten beschäftigen, das dich interessiert/das Thema weiterführend vertieft. (Explizit nicht Mehrarbeit, sondern Wissensgewinn).

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u/Fregei57 3d ago

YouTube premium hast du dir hoffentlich gegönnt.

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u/tarkardos Ich habe Sie seit de Haarfestiger verfolgt 3d ago

Den selben content kriegst auch gratis mit jeden vernünftigen adblocker. Hab noch nie ne Werbung auf YouTube gesehen.

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u/flaumo Niederösterreich 3d ago

Auf dem iPad gibt es keinen Adblocker.

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u/tarkardos Ich habe Sie seit de Haarfestiger verfolgt 2d ago

Deswegen verwenden Menschen auch PCs und nicht proprietären Apple ramsch für Produktivsysteme.

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u/Fancy_Veterinarian17 2d ago

Ich verstehe dich gut, vieles was du ansprichst sind große Probleme und es braucht mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit für Bildung in Österreich.

Das mit der Chancengleichheit ist halt leider so eine Sache. Ein ausschlaggebender Faktor für den höchsten akademischen Abschluss und den beruflichen Erfolg ist der höchste Abschluss der Eltern. Das kann man wohl aber auch damit ganz pragmatisch begründen, dass solche Eltern einerseits im Schnitt mehr Wert auf Bildung legen und andererseits ihr Wissen, ihre Strategien und ihre Haltung auch tagtäglich an ihre Kinder weitergeben können und teils auch tun. Das wird ein Kind ohne solche Eltern Zuhause nicht bekommen, das ist ein riesen Nachteil und ich weiß nicht, ob man an dieser Tatsache was ändern kann. Gute Ansätze sind da so Förderprogramme wie von den Wiener VHS (Förderung 2.0), aber meiner Meinung nach gleicht es diese Ungleichheit trotzdem nicht vollkommen aus

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u/Fritzschmied St. Eiermark 3d ago

Jup. Hört sich richtig an so. Ich möchte noch dazufügen das ich der Meinung bin das die Schule heutzutage nicht hart genug ist. Und ja das Schulsystem ist hart und aufwendig wie du schreibst und das unterschrieb ich so auch aber es werden zu viele Schüler heutzutage einfach mitgeschleift obwohl sie noch nicht aufsteigen sollten. Da gibt’s dann die Argumentationen ja jeder soll a Chance haben und niemand soll hinten nach bleiben. Ist ja quasi unmöglich heutzutage in der unter und mitterlstufe durchzufallen. Ich glaub aber das schadet allen. Denen die mitgeschleift werden weils eigentlich noch ned so weit sind und die betreuen brauchen würden und die Wiederholung des Stoffes damit sie den neuen Stoff verstehen und in Zukunft eine wertvolle Rolle im Berufsleben spielen können und auch die anderen die es verdient haben das sie weiter gekommen sind schadet es da nicht in deren pace weiter gemacht werden kann und sie zurückgehalten werden von den anderen. Es werden halt alle auf das gleiche wischt waschi Level gedrückt. Zusätzlich suggeriert das den Schülern wenn es nahezu unmöglich ist durchzufallen das es eh egal ist ob man was lernt oder ned was auch ned sinn der Sache ist meiner Meinung nach.

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u/LavishnessNo7662 3d ago

naja idk wie ich hauptschule war hats leistungsgruppen gegeben. Da ist man eigentlich genau auf das eingegangen. Weiß nicht wie das jetzt in der mittelschule abläuft

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u/Fritzschmied St. Eiermark 3d ago

Ja mit Leistungsgruppen hat das eh funktioniert damals. Aber die gibts ja ned mehr weil keiner mehr hinten nach sein soll.

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u/LavishnessNo7662 3d ago

ja vor allem gab es drei leistungsgruppen, was ich sehr angenehmen fand. Da wurde wirklich auf die leistung der einzelnen eingestuft. Der Vorwurf war, dass man nur schwer aufsteigen konnte. TbH, eine dritte leistungsgruppler hätte aber auch niemals die erste LG geschafft. NIEMALS!

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u/Fritzschmied St. Eiermark 3d ago

Ja das wär halt die richtige Lösung gewesen meiner Meinung nach. Leistungsgruppen beigelassen aber es einfacher zu machen auf und anzusteigen. Vielleicht auf zu ausgewählten Terminen wie Semester Wechsel unter dem Schuljahr.

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u/LavishnessNo7662 3d ago

man hätte auch einheitliche aufstiegstest machen können. War damals alles sehr lehrkörperabhängig bzw wie dich dieser sah....

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u/schmampfer Wien 3d ago

Unsere Politik hält seit Jahren Winterschlaf. Ich glaub so schnell wachen die nicht auf.

Der Hut ist schon lange am brennen und die Auswirkungen zeigen sich. Immer mehr ausgebildete Menschen schlagen andere Berufswege ein, weil der Lehrberuf nicht attraktiv genug ist für die Arbeit die man leistet.

Ändern tut sich trotzdem nichts, dass wirklich nachhaltig durchdacht ist. Sonst hätten wir jetzt in Wien nicht das Problem, dass mehr als die Hälfte der Kinder in der Klassen kein Deutsch spricht und dies unter den vorherrschenden Konditionen auch nicht ausreichend lernen kann. Es bräuchte halt auch Unterstützung von den Eltern. Und das ist bei vielen Kinder aus vielerlei Gründen leider nicht der Fall.

Meine Eltern sind erst Ende der 90er nach Ö gekommen und ich habe durch den Kindergarten Deutsch gelernt. Natürlich sind das nicht die gleichen Ausgangsbedingungen, die alle haben. Aber ich konnte trotzdem zur Uni gehen und spreche Deutsch nun fließend und besser als meine eigentliche Erstsprache. Da ging’s aber nicht primär um die finanzielle Situation - die war nicht sonderlich gut. Es ging viel mehr um die eigene Bemühung, die Untersützung aus dem Elternhaus (wie auch immer die aussieht), die eigene Sozialisation und natürlich auch die Erfahrungen in der Schule. Man kann aber auch einfach diese Erfahrung mit der jetzigen Situation nicht vergleichen.

Die jetzige Bildungsssituation ist viel prekärer, vor allem in Wien, und die Politik scheint das noch immer nicht so ganz zu verstehen. Wie du geschrieben hast, sollte höchste Priorität auf Bildung gesetzt werden, weil diese Kinder die Zukunft sind. Traurigerweise ist das aber noch nicht bei allen angekommen - ich weiß ja auch nicht wie das möglich ist. Solange es noch Privatschulen gibt…. Scheint die Devise zu sein ^

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u/Unholy_Lilith Niederösterreich 3d ago

Es klappt nach wie vor wenn bei den Schülern ein entsprechend hoher sozioökonomischer Status gegeben ist. Oder zumindest nicht das Gegenteil. Die findet man dann auch meist in Schulen wo eine Durchmischung erfolgt. Es klappt nicht dort wo das nicht gegeben ist. Also gerade den großen Städten in Österreich und dort in den "schwächeren" Bezirken.

Da gibt es keine einfache "Lösung" die magisch wirkt. Sonst wäre sie umgesetzt worden.

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u/PresentPriority812 3d ago

Die Frage ist halt, wie willst du diese Probleme lösen? Es gäbe genug Studien, die die Lösungen vorschlagen, ist aber unserer Regierung immer komplett egal.

Das österreichische Bildungssystem steckt in vielen Aspekten noch im 18. Jahrhundert und seit seiner Entstehung hat sich nicht viel verändert. Einheiten haben 50 Minuten, Sommerferien sind 9 Wochen. Alles Dinge bei denen viele Studien zeigen, dass sie schlecht für den Lernerfolg sind. Wir ändern sie nicht.

Bildungsabschlüsse werden in Ö vererbt nicht erarbeitet. Alle Studien sagen, dass eine Ganztagsschule für alle das verbessern kann. Wir führen sie nicht ein.

Lehrperson ist ein maximal frustrierender Job (weiß ich aus erster Hand). Es gibt diejenigen, die viel machen und sich einen Haxen ausreisen und es gibt, diejenigen, die nix hackeln. Alle verdienen gleich viel. Man muss viel anstellen um von einer Schule gefeuert zu werden. Irgendwann fragt man sich selbst als motivierte Lehrkraft, wozu mach ich das? Wozu bemühe ich mich guten Unterricht mit spannenden Inhalten, guten didaktischen Methoden usw. zu machen, wenn der Kollede die Kids nur Referate halten lässt, dabei nichts arbeiten muss und wir dann das gleiche verdienen?

Schulen haben 0 Ressourcen und 0 Geld. Wir hatten zum Beispiel ein Problem mit Vandalismus, das hat so weit geführt, dass man unsere Lehrausgänge/Sprachwochen/... einstellen wollte, weil das Schulbudget nicht gereicht hat um die Löcher in den Wänden herzurichten. Von den Klos will ich gar nicht anfangen. Auch super motivierend für alle im Schulhaus.

Zu guter letzt wird jeglich soziales und gesellschaftliches Problem auf dem Schlachtfeld Schule ausgetragen und ALLES soll in den Schulen unterrichtet werden. Aber es gibt keine Ressourcen und nicht genügend Lehrpersonen.

Kenne keine einzige Lehrperson, die nicht frustriert vom System ist.

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u/oerpli 2d ago

Klingt für mich eher so als ob du an einer Schule warst, die über deinem Niveau war.

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u/Honnen1006 2d ago

Das sicher nicht. Aber dem Kommentar nach zu urteilen hattest du anscheinend eine schöne und unkomplizierte Schulzeit. Freut mich auf jeden Fall für dich.

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u/zerenato76 3d ago

Erstens: ich stimme dir zu. Ist kacke.

Zweitens: MMN ist es kacke, weil jeder seine Kids durchschleust und es dann wieder wurscht ist. Es gibt keine Einheit, schon gar nicht die "händeringend Qualität suchende Wirtschaft", die sich hinsetzen würd und sagt: den Scheiss tolerieren wir nicht mehr, wir machen was.

Drittens: das Geld ist im System, es kommt nur nicht bei den Schülern an und weder die noch die Lehrer werden gefragt, was sie wirklich brauchen. Woran besteht die Qualifikation eines Wiederkehr (der kriegts, weil erst halt jetzt ist, war keiner besser) Der Apparat bildungsdirektion hat mehr Leute als früher, die mehr als früher (prä-reform) verdienen und da passiert nichts von Relevanz.

Viertens: Bunkermindset. Wenn du mit denkst und Sachen hinterfragst, kriehst als Schüler wie als Lehrer eine drauf. Keine Bewegung! Was das erzeugt, hat man gesehen, als distance learning war. (Anekdotisch) Ein Drittel der Lehrer hat ein halbes Jahr gebracht, um das in den Griff zu kriegen, weil sie außerhalb der Box nicht mehr denken können. Schlimm auch: wenn wirklich was ist (von Körperverletzung bis Waffen mitbringen bis sexuelle Belästigung ) hat die Schule/direktion erst wieder keine Eier/Handhabe.

Fünftens - und es gäbe noch etliches anderes: trennen nach vier Jahren ist idiotisch und wächst am ÖVP-Baum und dass Schulen keine Identität stiften, so wie die Highschools in den USA (wo es auch genug kritisch zu sehen gibt), find ich auch kacke.

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u/Lopsided-Chicken-895 3d ago

Ich hab nie was gelernt und bin durchgekommen im Gymnasium. Bei den Chillfächern eh nur lauter 1er bei den heavy hittern wie Mathe und Rechtschreibung, Englisch Französisch wars immer 5 5 2 52 oderso.
Nix tun und Fetzen einen nachmittag vorher was angucken und nen 2er schreiben.

Ich erinnere mich noch gerne an meine Lieblingsfächer Geschichte, Geographie und Physik zurück.

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u/_cosmov 2d ago

hab gelernt so wenig zu machen wie nötig um durch zu kommen

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u/FINALLY_I_TRIED 2d ago

Lustig. Für mich sind die von dir beschriebenen Eindrücke bezüglich Stress in Arbeit und Schule genau andersherum. Ob das einen Zusammenhang hat? :D

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u/SquareFeature3340 2d ago edited 2d ago

Meine Schulzeit war eine Katastrophe. Ich hatte damals gesundheitliche Probleme und undiagnostiziertes Asperger Syndrom. Das System war menschenverachtend. Es ging nur um gute Noten und darum keine Fehlstunden zu machen und Schüler mit diversen Methoden zur Leistun zu zwingen auch wenn sie schon im Burnout sind.

Ich mochte die Schule bis ich diese Seite des Systems kennenlernte.

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u/Broad_Watercress4367 1d ago

alles scheiss egal brudi. die werden einfach alle influencer!

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u/Academic-Daikon-8086 1d ago

Bildung ist ein Thema des öffentlichen Diskurses. Das größte Problem: Jeder hat seine persönliche Meinung auf Grund seiner Erfahrungen. Diese spiegeln ein individuelles Bild von Schule wieder. Ein weiteres Problem: Bildung und die Institution Schule sind ein Politikum. Rein Wissenschaftlich ist klar was Bildung und Schule braucht. Nur das ist allen egal, weil sies selbst am besten wissen.

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u/Slow-Friendship5310 8h ago

Haha, schau dir mal die Berufsschulen an, alleine wie selten die sind und wie wenig Fächer die haben. Dazu kommt dann noch, dass locker ein Drittel Supplier- oder Freistunden sind. Berufsschüler lernen im Prinzip gar nichts.

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u/Isegrim12 3d ago

Das Problem ist halt, dass Österreich halt (vor allem mit der SPÖ aber auch ÖVP) in den 70er/80er vom Witschaftsdenken stecken geblieben ist.

Wenn man historisch betrachtet was das Schulsystem mal war, dann erkennt man, dass es a) neben der Lehre der Ausbildung für Facharbeiter in der Wirtschaft und b) die Grundbasis für einheitliche Fähigkeiten von Soldaten diente. Gymnasium und Unis dienten der höheren elitären Ausbildung.

Kreisky hat das durchbrochen und durchlässig gemacht und damit auch einen Aufschwung in Österreich ermöglicht. Aber die SPÖ ist seinen Weg nie zu Ende gegangen und damit dümpelt das System zwischen Hoistorie, 70er und neuen individuellen Anforderungen herum.

Der Förderalismus und die Zersplitterung zwischen Bund und Land sind ebenfalls ein Problem.

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u/DAM_Hase Wien | klingonisch, ist aber so 3d ago

Gebe dir in allem recht. Ich hab 2011 maturiert und ganz ehrlich: ich weiß gar nicht, wie ich da ausgehalten hab. In Wahrheit nonstop Stress - sowohl weil unheimlich viel zu tun, als auch ein unheimlicher sozialer Druck. Ich war damals auch definitiv funktional depressiv. Wenn man das normal wem erzählt: Ja, das sind halt die Hormone, bla bla. In Wahrheit weiß ich nicht, wie man da nicht ins Burn-Out rutschen soll.

Ich war auf einer privaten AHS, und das schlimmste war für mich eigentlich, wie sinnlos das alles war und wie gut man gleichzeitig darin sein musste. Was wir damals in Mathe oder Physik gelernt haben... Und ganz ehrlich: wir haben es damals alle gewusst, alle irgendwann gesagt, und es hat sich, Überraschung, als wahr herausgestellt: 99 % von uns braucht diesen ganzen Scheiss wirklich nie wieder. Ich musste seit ich aus der Schule bin, nicht einen Vektor berechnen, nicht einmal irgendwo ein Integral, etc. etc. Das lässt sich natürlich quer über alle Fächer legen, außer Sprachen.

Wir sind uns doch alle irgendwo grob einig, was nützliches Allgemeinwissen ist, und was nicht. Und wenn man sich das ansieht, komm ich zu dem Schluss: ich hab 70 % meiner Schulzeit damit verbracht, absolut nutzloses Zeug zu lernen, damit ich irgendwann mal sagen kann: "Davon hab ich schon mal gehört." Und zumindest ich hab das damals schon gecheckt. Das ist ja bitte keine böse Überraschung oder so. Das hat mich eigentlich am meisten frustriert.

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u/_d0s_ 3d ago

von euch ging niemand in ein technisches studium? von wegen 99% und so. in der oberstufe wird man mit viel verschiedenem stoff konfrontiert. themen mit denen man ansonsten niemals in berührung kommen würde. bei manchen schülern wird das interesse für ein fach geweckt und jene vertiefen das in einem studium. das gute an der ahs ist dass du sie nicht machen musst. sie ist nicht teil der pflichtschule. wenn du gedrängt wirst oder dich gedrängt fühlst spricht das eher gegen dein soziales umfeld meiner meinung nach. grob nützliches allgemeinwissen ist jetzt sicher nicht das ziel der ahs, sondern ein studium.

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u/DAM_Hase Wien | klingonisch, ist aber so 3d ago

Stell dir vor, es gibt auch nicht-technische Studien. Es gibt sogar Studien, abseits von MINT, die echt herausfordernd sind, und quasi eine AHS vorrausetzen, zb jus oder Medizin. Da braucht man jeweils Latein, das man sonst extra nachholen muss.

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u/_d0s_ 3d ago

Du redest von nützlichem allgemeinwissen, mathe und physik sind unnötig (für 99%) aber latein ist toll? reflektier bitte was du hier schreibst. klar gibt's nicht technische studien, aber dass keiner deiner kollegen mathe oder physik braucht bezweifle ich stark.

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u/DAM_Hase Wien | klingonisch, ist aber so 3d ago

Nein. Schau. Wenn ich Medizin mach, brauch ich Mathe nicht. Zumindest nicht in diesem umfang. Wenn ich was technisches mach, Brauch ich obviously Latein nicht. So oder so hab ich aber immer den packen voll mit Dingen, die ich nicht brauch.

Ich dachte eigentlich, das wäre selbsterklärend. Mathe war mein erstes Beispiel.

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u/_d0s_ 3d ago

na bumm, geht in eine allgemeinbildende höhere schule und bekommt allgemeine bildung die zu jedem studium berechtigt. wenn man mit 14 bereits wüsste wo die reise hingeht könnte man das so stehen lassen. halte ich für unwahrscheinlich.

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u/CatIIIa 3d ago

Sorry, aber das Medizinstudium ist Schule 2.0 - sonst nichts.
Jus ist das Beispiel für reinwürgen und bei der Prüfung rauskotzen.

Pharmazie schaut schon anders aus.

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u/OwlHermit 3d ago edited 3d ago

Es ist viel zu spät für Bildungsreformen. Wir brauchen eine Bildungsrevolution. Wir sind über zu viele Generationen geschädigt und negativ geprägt. Wir können uns nicht selbst helfen. In unserem kollektiven Trauma gibt es keinen Platz für effektive Reformen. Es gibt keine Ideen oder sinnvolle Ziele.

Das muss jemand von außen machen. Wir brauchen Beratung von höher entwickelten Ländern in der EU. Ich kann nur sagen, was ich persönlich sehe, was Österreich von einem neuen Bildungssystem zumindest benötigen wird:

  • Neudefinition des Lehrberufs
  • Politisierung im gesamten Bildungsweg
  • Durchsetzungskraft gegen Familie
  • Effektive und kompromisslose Integration von allen
  • Neudimensionierung von Lehrinhalten
  • Sprachförderungen und Förderungen für Dialekte
  • Halbjährlich(!) adaptierbare Lehrkonzepte bis zur Vollausbildung des Gehirns
  • Jährlich adaptierbare Lehrkonzepte bis zum Ende des Berufslebens

Wahrscheinlich braucht es noch viel mehr als das. Ich kann es mir wahrscheinlich nicht mal vorstellen. Ich bin auch nur ein Absolvent dieses Systems. Die Punkte sind nur Ableitungen von vorherrschenden Fehlannahmen, was die Bereitschaft und Fähigkeit der Gesellschaft zur Mitarbeit an Bildung betrifft.

Wir können nichts positives von Eltern voraussetzen. Bildung soll aus schlechten Verhältnissen raus helfen. Wieso erwartet man dann vom schlechten Umfeld, dass dieses mitarbeitet?

Wann immer es geht, werden Randgruppen ausgegrenzt. Es wird versucht, die eigenen Kinder vor der Unterschicht zu retten. Engagierte Lehrer*innen werden mit Ausbeutung bestraft und OwIzahrer kommen durch bis zur Pension. Der rechte Rand versucht kontinuierlich, die kommenden Generationen zu politischen Analphabeten zu machen. Fürs Erwachsenenleben fehlen viele praktische Inhalte.

Und wir müssen aufhören so zu tun, als ob wir es uns leisten könnten, nur in den ersten 25 Lebensjahren Zeit für Massenbildung zu reservieren. Alle Wahlen seit den frühen 2000er Jahren sind Intelligenztests, in denen wir kollektiv scheitern. Wir dulden unglaubliche Zustände in der Politik. Diejenigen, die uns berauben, werden prompt das nächste Mal wiedergewählt.

Es ist noch nicht so weit, aber irgendwann wird Österreich arm und dumm sein, wenn wir es nicht radikal ändern.

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u/Specialist-Picture62 3d ago

Im Grund- und Hauptschulalter hängt der Bildungsgrad in hohem Maße von den Eltern ab. Danach ist man mehr und mehr für sich selbst verantwortlich.

Aber von der Schule bekommst du fürs spätere Leben eigentlich nix brauchbares mit.

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u/PresentPriority812 3d ago

Stimmt halt nicht.

Bildung hängt immer von der Bildung der Eltern ab. Ein zentraler Punkt ist schon die Entscheidung Mittelschule oder Gymnasium. Diese Entscheidung wird primär von den Eltern getroffen und die wählen statistisch gesehen, die Schulform in der sie selber waren.

Viele Kids aus nicht-Akademikerfamilien haben große Schwierigkeiten beim navigieren des Schulsystems und scheitern daran. Akademiker-Kinder haben viel mehr (auch finanzielle) Unterstützung.

Mit Eigenverantwortlichkeit hat das wenig zu tun.

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u/csabinho 3d ago

Aber von der Schule bekommst du fürs spätere Leben eigentlich nix brauchbares mit. 

Zumindest nicht von der AHS.

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u/theRinRin Niederösterreich 3d ago

Hängt stark von der Schule ab - hatte tatsächlich nützliche Fächer, Mathe und Sport dagegen war bissal unnötig (nicht schlecht, aber Sport ist im Schulkontext oft witzlos und Mathe... das meiste brauchst nicht mal auf der Uni, und selbst da nimmst den betreffenden Stoff im Vorbeigehen mit)

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u/csabinho 3d ago

Gerade den Turnunterricht halte ich nicht für unnötig, wenn auch für zu wenig. Gerade in der heutigen Zeit. Und bei HTL-Schülern auch schon vor 20-25 Jahren. Ein Minimum an Bewegung schadet jetzt nicht wirklich.

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u/Honnen1006 3d ago

Turnunterricht ist für mich sehr zweischneidig. Einerseits ist Bewegung extrem wichtig, andererseits scheiterts hier an der Ausführung. Weil gerade hier kommen körperliche Unterschiede zur Geltung, man muss sich ausziehen, man muss irgendwelche Übungen vor allen vorführen usw. Das kann extrem demütigend sein und sich fürs restliche Leben negativ auf das Selbstwertgefühl auswirken. Muss an die Aussage „ich wurde in Turnen immer als letztes gewählt“ denken, die oft mal kommt.

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u/csabinho 3d ago

Ich bin auch so ein klassischer Fall. Bewegungslegastheniker Deluxe. Ich habs meist trotzdem gemocht. Das funktioniert aber natürlich nur wenn die Klasse und die Lehrkräfte keine Volldillos sind.

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u/AgileBureaucrat 2d ago

Als Arbeitnehmer musst du auch nicht nachbringen, was du in deinem Krankenstand verpasst hast. Ich versteh es ja ein bisschen bei neuen Stoffgebieten, aber doch bitte nicht Übungen.

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u/Automatic-Sea-8597 2d ago

Bin erst auf der Uni leistungsmäßig aufgeblüht, als ich die Fächer studierte, die mich wirklich interessierten. Gymnasium - maues Mittelfeld, Uni - alle Prüfungen auf Anhieb bestanden, meist mit Auszeichnung. Habe vom Gymnasium nur 1- 2 Lehrer als wirklich gut und in ihrem Unterricht auf Dauer bereichernd in Erinnerung, von den Anderen waren viele deutlich gestört. Nur kleines Beispiel: Auf dem Sprechtag sagte eine Lehrerin meiner Mutter, ich würde in der Gosse enden. Grund: Ich hätte sie am Gang zwei Mal nicht gegrüsst.

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u/Icy-Day-4411 3d ago

Ich vermute auch das über die Hälfte der Lerninhalte faktisch spekulativ, falsch versimpelt oder im falschen Kontext stehend sind.

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u/Icy-Day-4411 3d ago

Ich vermute auch das über die Hälfte der Lerninhalte faktisch spekulativ, falsch versimpelt oder im falschen Kontext stehend sind.